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Lösungen für die Pflegebranche

Steigende Kosten, fehlendes Personal sowie ein Übermaß an Bürokratie und Regulatorik stellen Betreiber und Investoren von Pflegeeinrichtungen vor große Herausforderungen. Gleichzeitig bleibt die politische Umsetzung notwendiger Reformen hinter den Erwartungen zurück. Beim Zukunftsdialog Pflege 2025, einer Kooperation von LW.P Lüders Warneboldt, der Nord/LB und CareInvest, kamen am 18. Februar über 100 Branchenvertreterinnen und -vertreter in Hannover zusammen, um über die drängenden Fragen und mögliche Lösungsansätze für die Pflegebranche zu diskutieren.

Wenig Lärm um nichts

Zentrales Thema des Impulsvortrags von Prof. Dr. Heinz Rothgang (Universität Bremen) war die ernüchternde Bilanz der vergangenen Legislaturperiode in der Pflegepolitik. Viele der im Koalitionsvertrag angekündigten Reformen wurden entweder gar nicht oder nur unzureichend umgesetzt.

Die Begrenzung der Eigenanteile in der Heimpflege bleibt Stückwerk, und die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige steigt weiter. Auch das Pflegeassistenz- und das Pflegekompetenzgesetz, die auch für eine Entlastung der Pflegekräfte sorgen sollten, wurden bislang nicht umgesetzt. Ob diese Vorhaben in der neuen Legislaturperiode wieder aufgegriffen werden, bleibt abzuwarten.

Die Finanzierung der Pflegeversicherung ist ebenfalls ungelöst. Die wachsende Lücke zwischen steigenden Kosten und verfügbaren Mitteln bringt sowohl Träger als auch Betroffene zunehmend in Bedrängnis. Um langfristig tragfähige Strukturen zu schaffen, wurden verschiedene Lösungsansätze diskutiert – darunter eine stärkere Steuerfinanzierung, eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze und eine gerechtere Verteilung der Lasten zwischen den Beteiligten.

Besonders kritisch ist zu betrachten, dass das Thema Pflege trotz seiner gesellschaftlichen Relevanz derzeit im politischen Diskurs kaum eine Rolle spielt. Mehr als 15 Millionen Menschen in Deutschland sind direkt betroffen – sei es als Pflegebedürftige, pflegende Angehörige oder beruflich Pflegende. Trotzdem ist die Pflege in politischen Debatten oft nur ein Randthema.

Was muss sich ändern?

Nach dem Impulsvortrag folgte eine lebhafte Podiumsdiskussion, in der Expertinnen und Experten aus Politik und der Branche über Lösungsansätze sprachen. Zentraler Punkt der Runde war die Personalgewinnung und -bindung, da der Fachkräftemangel eine der drängendsten Herausforderungen in der Pflege ist. Personal darf nicht bloß innerhalb der Branche umverteilt werden, es müssen neue Fachkräfte her. Internationale Ausbildungskooperationen und qualifikationsorientierte Pflegeansätze können hierzu ebenso beitragen wie der Abbau bürokratischer Hürden.

Auch die Investitionsbedingungen für Pflegeimmobilien stehen zunehmend unter Druck. Hohe Baukosten, strenge regulatorische Anforderungen und erschwerte Finanzierungsbedingungen bremsen den Ausbau dringend benötigter Pflegeplätze aus. Ein weiteres Thema, das zunehmend an Relevanz gewinnt, ist die sektorfreie Versorgung. Das Modell der „stambulanten“ Pflege, einer Kombination aus stationärer und ambulanter Betreuung, wurde diskutiert. Allerdings bleibt fraglich, ob neue Konzepte ohne zusätzliche Bürokratie umgesetzt werden können.

Pflege muss politisch zur Priorität werden

Die Herausforderungen sind groß – doch es gibt auch innovative Lösungsansätze. Entscheidend wird sein, dass Politik, Betreiber und Investoren gemeinsam an nachhaltigen Konzepten arbeiten, um die Pflegeversorgung langfristig zu sichern. Die angeregten Diskussionen und das große Interesse der Teilnehmenden zeigen, wie wichtig der fortlaufende Austausch in der Branche ist.

„Der Zukunftsdialog Pflege 2025 hat eindrucksvoll verdeutlicht, wie groß der Handlungsbedarf ist – aber auch, wie viele Ideen und Lösungsansätze bereits existieren. Jetzt heißt es, diese in die Praxis zu bringen und gemeinsam an zukunftssicheren Versorgungsstrukturen in der Pflege zu arbeiten. Mein Dank gilt allen Beteiligten für den wertvollen Austausch und das große Engagement“, resümiert Gastgeber Oliver Warneboldt, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Partner bei LW.P Lüders Warneboldt.