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30.03.2026 Steuern

Zukunftsdialog Pflege 2026: Gemeinsamer Schulterschluss der Pflegebranche

Die Pflegebranche blickt zwar grundsätzlich optimistisch nach vorn, bei der Veranstaltung Zukunftsdialog Pflege 2026 Ende Februar in Hannover wurde aber auch deutlich: Ohne verlässliche Rahmenbedingungen und echte Zusammenarbeit drohen Stillstand und Kapitalflucht. Die Podiumsdiskussion im Gebäude der Nord/LB zeigte, wo die drängendsten Probleme liegen.

„Wir werden kaum aus unserer Lethargie herauskommen, indem wir auf den Staat warten und hinter dem Mantra verharren, dass die Rahmenbedingungen schlecht sind.“ Mit dieser deutlichen Ansage eröffnete Carsten Brinkmann sine Keynote beim Zukunftsdialog Pflege 2026 in Hannover. Der Ausschussvorsitzende für Gesundheits- und Sozialimmobilien beim ZIA und Aufsichtsrat bei Terranus machte klar: Die Branche müsse selbst handeln.

Zu der Veranstaltung hatten LW·P Lüders Warneboldt und die Deutsche Hypo in die NORD/LB eingeladen. Moderiert wurde die Diskussion von Matthias Ehbrecht, Chefredakteur von CARE INVEST. Schon die hohe Zahl der Gäste war der beste Beleg dafür: Das Thema bewegt die Branche. Viele relevante Akteure aus dem Betreiber- und Investorenumfeld waren angereist.

Das Bahn-Szenario als Warnung für die Pflegewirtschaft

Brinkmann warnte in seinem Beitrag eindringlich davor, die Pflege weiter an den Rand der Gesellschaft zu schieben. „Wie es bisher gehandhabt wurde, wird es künftig nicht mehr funktionieren“, sagte er. Statt kurzfristiger Wohltaten für die Wähler brauche es Richtungsentscheidungen und langfristige Weichenstellungen zum Wohl der Gesellschaft. „Sonst erleidet die Pflege das gleiche Schicksal wie die Deutsche Bahn, nur dass aus Verspätungen Versorgungsengpässe werden.“

Dabei betonte Brinkmann auch: „Effizienter als im stationären Bereich kann man alte Menschen mit hohem Pflegebedarf nicht versorgen.“ Diese Klarstellung war ihm wichtig. Denn trotz aller Diskussionen über alternative Wohnformen bleibe die stationäre Versorgung unverzichtbar.

Drei Säulen für die Zukunft der pflegerischen Versorgung

In der anschließenden Diskussion kristallisierten sich drei zentrale Forderungen der Gäste auf dem Podium heraus. Erstens: Die Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Zweitens: Die Branche muss im kontinuierlichen Dialog mit der Politik bleiben. Drittens: Kapital muss zurück in die Pflegeimmobilien kommen, damit dringend notwendige Investitionen in Bestand und Neubau wieder realisiert werden können.

Auf dem Podium waren neben Carsten Brinkmann auch Stephan Baumann, Bundesvorsitzender des VDAB, Ulrich Krantz, Vorstandsvorsitzender der K&S Gruppe, Andrea Prell, Sprecherin für Pflege im Niedersächsischen Landtag, sowie Oliver Warneboldt, Partner bei LW·P Lüders Warneboldt. Schnell wurde klar: Die Herausforderungen sind komplex und reichen von Flensburg bis Garmisch.

Politik sollte Betreibern mehr Verantwortung übertragen

Besonders deutlich wurde Stephan Baumann. „Ich stehe vor 500 Angehörigen als Erfüllungsgehilfe der Politik“, beschrieb der VDAB-Vorsitzende die Situation eines Betreibers. „Ich habe keine Möglichkeit, in ein System einzugreifen, das sich geldmäßig verteuert, aber nicht leistungsmäßig verbessert.“ Seine Forderung: Die Politik solle weniger regulieren, sich zurücknehmen und den Betreibern Budget-Verantwortung mit Haftung übertragen.

Auch Gesundheitspolitikerin Prell plädierte für eine neue Herangehensweise im Dialog zwischen Branche und Politik. Ihr Appell: „Wir müssen in Kategorien von Vorsorge und Prävention denken, nicht in Versorgungssituationen.“ Nur wenn sich der grundsätzliche Blick auf die Versorgung ändere, werde man die aktuellen Beschränkungen lösen können.

Ulrich Krantz plädierte in dem Zusammenhang auch für einen anderen Ton in der Debatte. Er wolle nicht mehr über die Pflege als Sorgenkind sprechen. „Ich denke, wir können selbstbewusst damit umgehen, wie wir tagtäglich unsere Bewohner versorgen“, sagte der K&S-Chef und untermauerte das mit einem eindrücklichen Beispiel: „Wenn ich in China davon berichte, dass ich im Bereich der Altenpflege unterwegs bin, dann werde ich fast auf Händen getragen.“ Diese Wertschätzung fehle im deutschen Diskurs zum Thema.

Gegenseitiges Verständnis der Branchenteilnehmer nötig

Einigkeit herrschte darin, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen müssen. Das Podium war sich einig: Pflege braucht vielfältige Versorgungsformen – von stationär bis ambulant. Professionalität, wirtschaftliche Tragfähigkeit und gute Arbeitsbedingungen müssen zusammen gedacht werden. Besonders wichtig sei gegenseitiges Verständnis für unterschiedliche Perspektiven und Rahmenbedingungen. Nur durch kontinuierlichen Austausch könnten tragfähige Lösungen entstehen. Carsten Brinkmann fasste zusammen: „Das gelingt nur, wenn wir auch ein gegenseitiges Verständnis für unterschiedliche Perspektiven und Rahmenbedingungen aufbringen und in einem kontinuierlichen Austausch bleiben.“ Der Schulterschluss müsse dabei weit über Betreiber und Investoren hinausgehen.

Ohne Tragfähigkeit keine Sicherheit

Die Warnung war deutlich: Ohne politische Leitplanken und mehr Tempo bei Entscheidungen drohen Stillstand und weiterer Rückzug von Kapital. Ohne wirtschaftliche Tragfähigkeit gebe es keine Versorgungssicherheit. Strukturierte Konzepte, belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnungen und vor
allem eine transparente Kommunikation seien dabei keine Option, sondern schlicht Voraussetzung.

Im Anschluss an die Diskussion setzen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Gäste auf dem Podium ihre Gespräche bei Snacks und Getränken fort. Auch dabei war eine positive Grundstimmung für 2026 trotz aller Herausforderungen spürbar. Ob sich der Eindruck bewahrheitet, wird spätestens beim nächsten Zukunftsdialog im kommenden Jahr überprüft werden können. (CI)

Quelle: CARE INVEST, Hannover

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